Geschichte
bis 1900

"Kont­ri­butionen" nach "He­cker-Putsch"

Im Frühjahr 1848 brach der "Heckerputsch" aus, nachdem es schon vorher zu Unruhen nicht nur in Baden gekommen war.

Nicht überliefert ist, ob auch Großweierer beteiligt waren. Die Gemeindekasse bekam dies aber zu spüren. Mit Großherzoglichem Erlass Nr. 45549 wurde Großweier eine Kontribution von 1.025 Gulden auferlegt, zur "Ausgleichung der durch den Maiaufstand entstandenen Kosten für militärische Truppen", wie es wörtlich hieß. Man hatte preußisches Militär zur Niederschlagung zu Hilfe gerufen. Im Jahre 1851 wurde Großweier mit einer weiteren Kontribution belegt, diesmal waren es sogar 2.525 Gulden. Hierfür mussten weitere Darlehen aufgenommen werden, außerdem beschlossen Gemeinderat und Bürgerausschuss die Abholzung von sieben Hektar Gemeindewald entlang der Langmatten, dessen Erlös ebenfalls zur Schuldentilgung diente.

Der Gemeindekataster wies 156 Steuerpflichtige aus, wobei folgende Berufe angegeben und registriert worden waren: 65 Landwirte, 13 Leinweber, 6 Maurer, 4 Schmiede, je zwei Bäcker, Schuster, Wagner, Zimmerer und Wirte, außerdem Hänfer, Holzknechte, Müller, auch ein Handelsmann. Aus der "Classe der Inwohnenden", wie es die Landesherrliche Verordnung vom Jahre 1808 definierte, der "Tagelöhner" und ähnlichen, wohl der Ortsarmen, war keiner darunter. Die Finanzlage des Bauerndorfes Großweier war sicher längst schlecht, wenn nicht sogar katastrophal, die Gemeindekasse war leer, man musste zwangsläufig Schulden machen. Die Erbauung einer neuen Schule mit Rathaus in den Jahren 1838/39 verschlang 16.000 Gulden.

Auf Weisung der großherzoglichen Regierung zu Karlsruhe war unter dem 26. November 1843 der aus alten Feudalzeiten stammende Pfarr- und Schulzehnt abgelöst worden, wofür die für damalige Verhältnisse horrende Summe von 27.664 Gulden aufzuwenden war. Mehr als zwei Jahrzehnte brauchte man, um diese Schuld zu tilgen, wie aus gemeindlichen Unterlagen hervorgeht. Für die Aufnahme solch hoher Kredite mussten gemeindeeigene Grundstücke verpfändet und teilweise auch verkauft werden. Die drei Missernten in Folge (1845-1847) verursachten erhebliche Verteuerungen bei den Lebensmitteln. Der Brotpreis allein stieg auf 20 Kreuzer, der Tageslohn eines Holzknechts.